Wie bekommt man den Kostenzuschuss?

Psychotherapie

Eine Psychotherapie hilft Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien dabei, persönliche Entwicklungen und ganzheitliche Gesundheit zu fördern, seelische Belastungen zu verringern und Krisen zu bewältigen.


Für Anspruchsberechtigte ist die Psychotherapie bei Vertragspartnerinnen/Vertragspartnern der Wiener Gebietskrankenkasse kostenlos.

Wenn Sie Leistungen von Wahlbehandlerinnen/Wahlbehandlern (diese haben keinen Vertrag mit der WGKK) in Anspruch nehmen, können Sie Kostenerstattung beantragen. Voraussetzung für eine Kostenerstattung ist das Vorliegen einer psychischen Störung, die als Krankheit im sozialversicherungsrechtlichen Sinn anzusehen ist. (Keine Kosten werden z.B. bei bloßer Beratung in Schul-, Familien- und Berufsproblemen übernommen.)

Ärztliche Bestätigung

Für eine Kostenerstattung benötigen Sie den schriftlichen Nachweis, dass spätestens vor der zweiten psychotherapeutischen Behandlung (Sitzung) im gleichen Abrechnungszeitraum (= Kalendervierteljahr) eine ärztliche Untersuchung durchgeführt wurde. Diese Bestätigung kann von einer Vertragsärztin/einem Vertragsarzt der WGKK oder einer Wahlärztin/einem Wahlarzt ausgestellt werden.

Bewilligung

Vor der elften Sitzung muss unbedingt ein "Antrag auf Kostenzuschuss wegen Inanspruchnahme von psychotherapeutischer Behandlung" gestellt werden (maßgeblich ist das Datum des Einlangens des Antrages bei der Wiener Gebietskrankenkasse). Nachträgliche Bewilligungen sind ausnahmslos ausgeschlossen.

Der Antrag auf Bewilligung kann persönlich beim Medizinischen Dienst (WGKK-Zentrale, 1100 Wien, Wienerbergstraße 15–19, Erdgeschoß) oder in jeder Bezirksstelle bzw. jedem Kundencenter eingereicht werden. Sie können den Antrag auch per Post schicken: Wiener Gebietskrankenkasse, Medizinischer Dienst, Wienerbergstraße 15–19, 1100 Wien.

Unterlagen für die Kostenerstattung

  • Ärztliche Bestätigung
  • Bezahlte Honorarnote (Original oder Duplikat) mit
    • detaillierten Angaben zu den erbrachten Leistungen (Diagnose, Behandlungsmethode, Anzahl der Behandlungen (Sitzungen), Art der Behandlung (Einzel- oder Gruppensitzung), Datum und Dauer der einzelnen Sitzungen)
    • den persönlichen Daten der Patientin/des Patienten (Vor- und Zuname, Geburtsdatum, Sozialversicherungsnummer)
    • Stempel der Leistungserbringerin/des Leistungserbringers
  • Zahlungsnachweis
    • bei Barzahlung: Zahlungsvermerk auf der Honorarnote
    • bei Zahlung mit Erlagschein: Einzahlungsabschnitt (auch Kopie)
    • bei elektronischer Bezahlung: Nachweis der Abbuchung (z.B. Protokollauszug, Bankauszug usw.)

Den unterschriebenen Antrag samt Unterlagen (Honorarnote, etc.) können Sie:

  • persönlich in einer WGKK-Außenstelle abgeben
    ODER
  • per Post einschicken an die
    Wiener Gebietskrankenkasse
    Wahlarzthilfe
    Wienerbergstraße 15-19, 1100 Wien

Es werden auch Duplikate, Kopien, Faxe sowie fotografierte, gescannte und gemailte Honorarnoten anerkannt. Bitte bewahren Sie aber die Originale für eine nachträgliche Prüfung 3 Jahre auf.

Überweisung des Geldes

Die Kostenerstattung wird auf das Konto der oder des Versicherten überwiesen. Angehörige erhalten den Kostenersatz nur in Ausnahmefällen auf das eigene Konto. Die Restkosten können Sie bei der Arbeitnehmerveranlagung (Lohnsteuerausgleich) angeben. Unter bestimmten Voraussetzungen wirken sich die Restkosten steuermindernd aus. Nähere Auskünfte dazu erfragen Sie bitte bei Ihrem zuständigen Finanzamt.

Was ist Klinische Psychologie?

Die Klinische Psychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie.

Sie umfasst unter Einsatz klinisch-psychologischer Mittel die Untersuchung, Auslegung und Prognose des menschlichen Erlebens und Verhaltens sowie die gesundheitsbezogenen und störungsbedingten Einflüssen darauf sowie klinisch-psychologische Behandlung von Verhaltensstörungen, psychischen Veränderungen und Leidenszuständen.

Die genannten Tätigkeiten werden eigenverantwortlich ausgeführt.

Der Tätigkeitsbereich der Klinischen Psychologie umfasst

  • Anwendung klinisch-psychologischer Behandlungsmethoden bei Personen aller Altersstufen und Gruppen, die aufbauend auf klinisch-psychologische Diagnostik fokussiert, ziel- und lösungsorientiert ist,
  • klinisch-psychologische Begleitung von Betroffenen und Angehörigen in Krisensituationen,
  • klinisch-psychologische Beratung in Bezug auf verschiedene Aspekte gesundheitlicher Beeinträchtigungen, ihrer Bedingungen und Veränderungsmöglichkeiten,
  • klinisch-psychologische Evaluation sowie
  • Lehre und Forschung.

Zu den wesentlichen Berufspflichten der Klinischen Psychologinnen/Klinischen Psychologen zählt die Ausübung des Berufes nach bestem Wissen und Gewissen unter Beachtung der Entwicklung der Erkenntnisse der Wissenschaft. Diesem Erfordernis ist insbesondere durch den regelmäßigen Besuch von in- oder ausländischen Fortbildungsveranstaltungen zu entsprechen.

Ausbildung nach dem Psychologengesetz 2013 (Ausbildungsbeginn ab 01.07.2014)

  • Diplomstudium/Bachelor- und Masterstudium in Psychologie (300 ECTS)
  • Postgraduale klinisch-psychologische Fachausbildung
  • Erwerb theoretischer fachlicher Kompetenz im Gesamtausmaß von zumindest 340 Einheiten
  • Erwerb praktischer fachlicher Kompetenz durch eine psychologische Tätigkeit im Gesamtausmaß von zumindest 2188 Stunden, davon
  • praktische Fachausbildungstätigkeit unter Anleitung von Berufsangehörigen im Rahmen von Arbeitsverhältnissen im Ausmaß von zumindest 2098 Stunden und
  • begleitende Supervision im Ausmaß von zumindest 120 Einheiten und
  • Selbsterfahrung im Ausmaß von zumindest 76 Einheiten

Zumindest 500 Stunden der praktischen Fachausbildungstätigkeit sind zeitgleich mit der theoretischen Ausbildung zu absolvieren.

 

 

 

Was ist klientenzentrierte Psychotherapie?

Die von Carl R. Rogers (1902 – 1987) begründete Person- bzw. Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie ist eine staatlich anerkannte Form der Psychotherapie. Sie geht davon aus, dass eine therapeutische Haltung von Einfühlsamkeit, unbedingter Wertschätzung und Aufrichtigkeit seelisches Wachstum wesentlich fördert und den positiven Umgang mit Krisen oder Kränkungen ermöglicht.

Mit ihrer humanistischen Ausrichtung setzt Personzentrierte Psychotherapie auf die Ressourcen und kreativen Möglichkeiten jedes Menschen, sich zu entfalten und mit Problemen umzugehen. Im Dialog mit der Therapeutin bzw. dem Therapeuten sollen Menschen Vertrauen in den eigenen Wert, die eigenen Wahrnehmungen und Gefühle gewinnen – so kann ein bewusster, flexibler und realistischer Umgang mit sich selbst und anderen entstehen.

Angewendet wird die Personzentrierte Psychotherapie als Einzel-, Gruppen-, Paar- und Familientherapie, als Kinder- und Ju­gendlichen-Psychotherapie sowie in der Psychiatrie.

In der Tradition ihres zum Friedensnobelpreis vorgeschlagenen Begründers Carl R. Rogers setzt sie sich auf gesellschaftlicher Ebene für Humanität und eine verbesserte Dialogfähigkeit zwischen Menschen ein.